Landwirtschaft
Protest-Käufe...
NEUMARKT. Während die Bauern die Milchwerke blockieren (
wir berichteten), kaufen die Landfrauen in Neumarkt die Discounter-Regale leer.
Angeblich war es eine "spontane Aktion" von Landfrauen im Landkreis Neumarkt: Sie kauften in Discountläden große Mengen Milchprodukte auf und verschenkten sie dann an den Leb-Mit-Laden und andere caritative Einrichtungen.
Offenbar wollen die Frauen dafür sorgen, daß in den Läden bald die Milchprodukte ausgehen - so könne man den Druck des Boykotts weiter erhöhen, hieß es. Die Aufkauf-Aktion soll wiederholt werden.
03.06.08
"Gleiche Augenhöhe"
NEUMARKT. Auch im Landkreis Neumarkt hält der Kampf der Milchbauern für bessere Erzeugerpreise unvermittelt an.
Auf Initiative des Präsidenten des Deutschen und Bayerischen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, hat ein erstes Gespräch mit der Spitze des Milchindustrie-Verbandes (MIV) stattgefunden, zu dem auch der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter e.V. (BDM) eingeladen war. Wesentliches Ergebnis war, dass Präsident Sonnleitner in einem gemeinsamen Gespräch den Lebensmitteleinzelhandel auffordert, innerhalb kürzester Frist die Preise für Milch und Milchprodukte auf den Stand vor den Preiskontrakten zwischen Lebensmitteleinzelhandel und Milchwirtschaft vom 21. April 2008 anzuheben, hieß es am Dienstag vom Neumarkter BBV-Kreisverband.
Auch der Wirtschaft- und Umweltausschuß des Neumarkter Kreistages hat sich bereits mit den Bauern solidarisiert (
wir berichteten).
"Die Auszahlungspreise an unsere Milchbetriebe sind vielfach katastrophal und bedrohen Existenzen, deshalb gilt der volle Einsatz von Präsident Sonnleitner dauerhaft wesentlich besseren Erzeugerpreisen für die Milchbauern", erläuterten der Kreisobmann Martin Schmid und die Kreisbäuerin Stilla Klein des BBV-Kreisverbandes Neumarkt.
Sonnleitner verhandele deshalb zusammen mit dem BDM mit MIV und auch mit dem Lebensmitteleinzelhandel, um die "unhaltbaren Verträge" der Frühjahrspreisverhandlungen zwischen Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel schnellstens aufzulösen. Für Montag Abend hatte Präsident Sonnleitner ein Gespräch mit dem Einzelhandelsverband (HDE) vereinbart, zu dem auch der BDM eingeladen war.
Zudem fordere Sonnleitner die Politik eindringlich dazu auf, mit Blick auf die unhaltbare Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels, das Wettbewerbs- und Kartellrecht konsequent anzuwenden und es nicht nur bei gegenwärtigen Sympathiebekundungen zu belassen. "Auch wir fordern hier von Ministerpräsident Beckstein, Staatsminister Miller und Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer Taten", bekräftigten Kreisobmann Martin Schmid.
Stellvertretender Kreisobmann Michael Gruber forderte unter anderem, schnellstens die beschlossene Quotenerhöhung um 2,5 Prozent auszusetzen, jegliche weitere Quotenaufstockung zu verhindern und alle Saldierungsmöglichkeiten abzuschaffen.
Der Bayerische Bauernverband kritisiere massiv die rücksichtlose Preisdruckstrategie von einzelnen Konzernen, die die Existenz unserer Bauernfamilien und die von mittelständischen Verarbeitungsunternehmen gefährde, so Gruber.
Zwingend notwendig sei die gleiche Augenhöhe zwischen Milchbauern, Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel. Deshalb treibe der Bauernverband auch regional und überregional seit längerem die weitere, verbindliche Bündelung der Vermarktungsorganisationen voran.
"Wir befürworten wie Präsident Sonnleitner alle menschlich fairen und im Rahmen von Recht und Gesetz stattfindenden Solidaritätsaktionen, der Forderung nach dauerhaft besseren Milchauszahlungspreisen Nachdruck zu verleihen", erklärte der gesamte BBV-Kreisvorstand Neumarkt auf seiner Sitzung. Die Vorstandsmitglieder beteiligen sich ebenfalls beim Lieferboykott.
03.06.08
Mit Bauern solidarisch
NEUMARKT. Der Wirtschafts- und Umweltausschuß des Kreistages erklärte sich mit den Milchbauern solidarisch.
In einer einstimmig verabschiedeten Resolution wurde die Forderung der Milchbauern nach einem "fairen Preis" für ihre Milch unterstützt - schließlich heißt der Ausschuß in seiner Langfassung "Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Umweltausschuß".
BBV-Kreisobmann Martin Schmid und stellvertretende Kreisbäuerin Siglinde Hollweck hatten zuvor deutlich auf die schwierige Situation der Bauern hingewiesen. Produkte von Großunternehmen sollte man lieber im Regal stehen lassen, hieß es dabei - namentlich wurden "Müller" und Weihenstephan" genannt. Die Groß-Firmen hätten als erste an der Preisschraube gedreht.
Auch Landrat Albert Löhner appellierte, möglichst nur Frischmilch aus der Region zu trinken. Freilich wird nur ein winziger Teil der im Landkreis produzierten Milch auch hier verkauft.
02.06.08
"Gegen Importabhängigkeit"
Von Albert Deß *
Landwirte sind Garant dafür, dass wir jeden Tag genug zu essen haben. Damit dies so bleibt, müssen unsere Bauern für ihre Produkte auskömmliche Preise am Markt erlösen können.
Die Preise für einige Agrarprodukte haben sich von ihren Tiefstständen erholt. Dem Lebensmitteleinzelhandel wird bewusst, dass die Mittel zum Leben eben nicht in unendlicher Menge und zum Nulltarif zu haben sind.
Unsere Bauern leisten eine wertvolle Arbeit, die von den Menschen auch geschätzt und anerkannt wird. Der Stellenwert der Landwirtschaft wird auch in Zukunft wichtig bleiben:
- Die Weltbevölkerung nimmt jährlich um über 80 Millionen Menschen zu.
- Weltweit sinkt die verfügbare Ackerfläche.
- Der Lebensstandard in den Schwellenländern und vielen Entwicklungsländern steigt.
- Die Bewässerung von Agrarflächen wird weltweit gesehen immer schwieriger.
- Die Energiepreise steigen, das erhöht die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energie.
Steigende Nachfrage einerseits und Trockenheit mit Ernteeinbußen andererseits in einigen Agrarregionen haben zu höheren Preisen bei einigen Agrarrohstoffen geführt. Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer: Agrarprodukte sind zunehmend Marktspekulationen, stärkeren Preisschwankungen, anscheinend aber auch politischer Willkür ausgesetzt. Der EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel habe ich erneut entschieden widersprochen: Sie will auch wegen der teilweise verbesserten Nachfrage bei Getreide und Ölsaaten eine massive Kürzung der EU-Ausgleichszahlungen durchsetzen, zum Schaden der Landwirte.
Europa braucht eine florierende Agrarwirtschaft und Lebensmittelerzeugung, damit wir auch in Zukunft die Ernährung von fast 500 Millionen EU-Bürgern weitgehend aus eigener Kraft sicherstellen können. Bei Grundnahrungsmitteln dürfen wir uns nie von Drittlandsimporten abhängig machen. Wohin einseitige Importabhängigkeit führt, merken wir an der Tankstelle.
*MdEP Albert Deß ist agrarpolitischer Sprecher der CSU-Europagruppe und bayerischer Landesvorsitzender der CSU-Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft
30.05.08
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