Landwirtschaft
Fleißige Kühe

Die Bauern protestieren gegen eine "Verramschung" ihrer Milch.
Foto: Archiv/Zwick
NEUMARKT. Bayerns Kühe geben mehr Milch als je zuvor - während die Bauern auch in Neumarkt um faire Milchpreise kämpfen (
wir berichteten).
Im Jahr 2007 wurden in Bayern 7,7 Millionen Tonnen Milch erzeugt. Wie das Bayerische Landesamt
für Statistik und Datenverarbeitung weiter mitteilt, waren das 2,2 Prozent mehr als im
Vorjahr und zugleich die höchste Menge seit elf Jahren. Maßgeblich dafür war – bei nahezu
unverändertem Milchkuhbestand – die Steigerung der durchschnittlichen jährlichen Milchleistung
je Kuh um weitere 2,6 Prozent auf die neue Höchstmarke von 6 260 Kilogramm im Jahr oder 17,2 Kilogramm pro Tag.
In den vergangenen zehn Jahren hat
sich damit die Produktivität der bayerischen Milchkühe um gut ein Viertel erhöht, während sich der
Kuhbestand im selben Zeitraum um knapp ein Fünftel verringerte.
Von der gesamten Milcherzeugung des Jahres 2007 wurden 92,7 Prozent (7,14 Millionen Tonnen) an
Molkereien geliefert. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies eine Steigerung um rund 155 400 Tonnen
oder 2,2 Prozent. Die übrigen gut 560 000 Tonnen verblieben in den Betrieben der Milchkuhhalter,
wobei der Großteil (496 100 Tonnen oder 6,4 Prozent der Gesamterzeugung) zur Verfütterung verwendet
wurde. Von der Restmenge wurden 44 300 Tonnen (0,6 Prozent) im Haushalt frisch verbraucht und
19 700 Tonnen (0,3 Prozent) durch Ab-Hof-Verkauf direkt vermarktet oder zu Butter, Quark und Käse
verarbeitet.
Knapp drei Zehntel der Milch (2,26 Millionen Tonnen) wurden in Oberbayern und fast ein Viertel (1,90
Millionen Tonnen) in Schwaben erzeugt, so dass 54 Prozent der Milch aus den beiden südlichsten Regierungsbezirken
stammten. Ein Zentrum der Milcherzeugung bildet hierbei das Allgäu, in dessen drei
Landkreisen Ober-, Unter- und Ostallgäu mit zusammen 1,13 Millionen Tonnen annähernd 15 Prozent
der bayerischen Milch erzeugt wurden.
Demgegenüber trug Unterfranken mit 236 900 Tonnen (3,1
Prozent) den geringsten Anteil zur Milcherzeugung bei. Dies war auch der einzige Regierungsbezirk, in
dem die Milcherzeugung geringfügig unter dem Vorjahresniveau blieb.
Dagegen gelang den Milchbauern
in Niederbayern mit 4,6 Prozent sowie in der Oberpfalz mit 3,6 Prozent binnen Jahresfrist die
höchste prozentuale Steigerung. Mit einer durchschnittlichen jährlichen Milchleistung je Kuh von 6 428
Kilogramm standen die produktivsten Milchkühe in Mittelfranken, dicht gefolgt von den Kühen in Unterfranken
(6 411 Kilogramm) und Schwaben (6 406 Kilogramm).
Bayern ist das größte Milcherzeugerland Deutschlands. Rund ein Viertel der im Bundesgebiet gewonnenen
Milch stammt von Kühen aus dem Freistaat.
21.04.08
"Nur vier Prozent"

Matthias Borst sprach bei der Versammlung zu den
BBV-Obmännern
NEUMARKT. Bei einer Info-Veranstaltung für BBV-Obmänner verteidigte Kreisobmann Martin Schmid Lebensmittelpreise und Bio-Kraftstoffe.
Unter dem Thema "Aktuelle Brennpunkte der Agrarpolitik in Brüssel und Berlin" standen aktuelle agrarpolitische Themen und Arbeitsfelder für die Ortsobmänner des BBV-Kreisverbandes Neumarkt im Mittelpunkt der Versammlung in Hollerstetten.
"Zentrale, agrarpolitische Brennpunkte sind aktuell für die Landwirtschaft die Reform der Erbschaftsteuer und die Gesundheitsüberprüfung der Umsetzung der Agrarreform im Jahr 2008 - Health Check", erläuterte Matthias Borst, Abteilungsleiter für Agrarpolitik im Generalsekretariat des Bayerischen Bauernverbandes bei der Kreisversammlung.
Am 26. Juni 2003 haben die EU-Agrarminister eine gravierende Reform der EU-Agrarpolitik beschlossen, die für alle europäischen Bauern einen gewaltigen Systemwechsel und enorme Anpassungen innerhalb der Zeitspanne 2005 bis 2013 umfasst. Vorangegangen sei dieser Entscheidung, dass die Staats- und Regierungschefs aller EU-Mitgliedstaaten zuvor einstimmig die Mittel der ersten Säule der EU-Agrarpolitik bis zum Jahr 2013 vereinbart hatten.
"Unsere Bauernfamilien verlangen zu Recht, dass die Politik bei den Ausgleichszahlungen für die in der EU im internationalen Vergleich sehr hohen Anforderungen im Umweltschutz, bei der Tierhaltung und bei der Lebensmittelsicherheit - der so genannten Betriebsprämie - Wort hält und diese wie beschlossen bis 2013 verlässlich bleiben", betonte Borst. Diese Ausgleichszahlungen seien für die Einkommenssituation aller bayerischen Betriebe von großer Bedeutung, da sie zwischen 30 und über 50 Prozent der Unternehmensergebnisse ausmachten. Deshalb lehne der Bauernverband jegliche Vorschläge für Kürzungen der Betriebsprämien über eine höhere Modulation, höhere Untergrenze oder den so genannten Artikel 69 strikt ab. "Der Bauernverband sagt Ja zu Vereinfachungen, aber auch klar Nein zu zusätzlichen Kürzungen beim Health Check", erläuterte Borst.
"Seit über zwei Jahren setzen wir uns intensiv dafür ein, dass Hofübergaben weiterhin einfach möglich bleiben", so Borst. Bei den immer noch laufenden Beratungen zur Reform der Erbschaft- und Schenkungsteuer müssten Regelungen am Ende stehen, die die Fortführung bäuerlicher Familienbetriebe sicherstellen. Hier gehe es um Perspektiven für die junge Generation und um den Schutz des Eigentums, betonte Borst.
In den politischen Beratungen habe der Bauernverband wichtige Grundlagen bereits erreicht, um eventuell Betriebszerschlagungen aufgrund einer anstehenden Hofübergabe zu vermeiden. Aktuell seien aber "wie im wahren Leben" noch ein paar wesentliche Detailfragen ordentlich zu regeln. Weiteres Thema waren die WTO-Verhandlungen. Die Forderung des Bauernverbandes bleibe unmissverständlich: keine weiteren Zugeständnisse und Erhalt eines wirksamen Außenschutzes. Dies sei gerade für sensible Produkte wie zum Beispiel Milch, Rindfleisch oder Zucker unerlässlich.
Anlässlich der aktuellen Schlagzeilen im Zusammenhang mit der Entwicklung der Nahrungsmittelpreise, den Biokraftstoffen und dem Hunger in der Welt, die einen völlig falschen Eindruck erweckten, stellte Martin Schmid, BBV-Kreisobmann Neumarkt, "einige Punkte klar".
Die aktuelle Diskussion müsse seriös geführt werden, um echte Lösungsansätze anzugehen. Tatsache sei, dass sich die Nahrungsmittelpreise gegenüber dem Vorjahr um 8,6 Prozent erhöht haben, nachdem sie sich über rund zwei Jahrzehnte deutlich unterhalb der allgemeinen Inflationsrate und somit erheblich inflationsbremsend entwickelt hatten.
Die Inflationsrate für Nahrungsmittel werde sich laut Experten der allgemeinen Inflationsrate anpassen. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass in den Medien nicht erwähnt wird, dass die Bauern auf nachhaltig höhere Agrarpreise angewiesen sind, da ihre Kosten für Energie und Betriebsmittel um bis rund 40 Prozent und zum Teil mehr gestiegen sind und ihr Einkommen nach wie vor dem gewerblichen Vergleichslohn der Bundesregierung deutlich hinterherhinkt", betonte Schmid.
Eine weiterere Tatsache sei, dass in Deutschland die aktuelle Inflationsrate bei 2,3 Prozent liegen würde, wenn für die Haushalte die Teuerung von Energie außen vor bliebe. Insbesondere die nach wie vor jährlich um rund 80 Millionen Menschen wachsende Weltbevölkerung, ein gleichzeitig starker Anstieg der Nachfrage nach Getreide, Fleisch und Milchprodukten in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern aufgrund steigender Kaufkraft und die aktuellen historischen Tiefststände bei den weltweiten Vorräten an Agrarrohstoffen hätten zu Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln geführt.
Dies sei der Hauptgrund, nicht die Biokraftstoffe, für die im Jahr 2007 weniger als vier Prozent der Welternte an Getreide und Ölsaaten - in der Europäischen Union sogar nur zwei Prozent - verwendet wurden.
Ferner seien Hauptursache für den Hunger in der Welt vor allem Korruption, Bürgerkrieg und kein freier Zugang zu Boden, zu Kapital und zu Bildung in den besonders betroffenen Ländern. Diese fundamentalen Rahmenbedingungen von "good gouvernance" ließen sich aber nicht durch die Agrarpolitik lösen.
Etwa zwei Drittel der hungernden Menschen in der Welt seien Bauern. Wenn diesen Bauernfamilien durch die örtlichen Regierungen das nachhaltige Recht auf Grund und Boden gesichert würde, wäre dies schon ein grundsätzlicher Schritt, um schrittweise ein Mindestmaß an Eigenversorgung über den heimischen Anbau von landwirtschaftlichen Kulturpflanzen zu ermöglichen. Gerade die aktuelle Situation in Simbabwe bestätige dies, da das Land einst die "Kornkammer Afrikas" war und nun seit Jahren wegen des Bürgerkriegs auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sei.
18.04.08
"Genug Flächen vorhanden"
NEUMARKT. Vor einer Nahrungsmittelknappheit in der EU brauche niemand Angst zu haben, erklärte MdEP Albert Deß.
"Wir haben genug Fläche zur Produktion von Lebensmitteln. Unser Potential müssen wir nur optimal nutzen", so Albert Deß, agrarpolitischer Sprecher der CSU-Europagruppe zum Thema Lebensmittelversorgung. Im Verhältnis zum Einkommen seien Lebensmittel weltweit nirgendwo so günstig wie in Deutschland. Bezogen auf die Kaufkraft wären Nahrungsmittel in Deutschland noch heute wesentlich billiger als in den 60er Jahren, sagte Deß.
Das Angebot an Nahrungsmitteln werde maßgeblich begrenzt durch die verfügbare Ackerfläche. Fruchtbarer Ackerboden sei nicht vermehrbar. In Europa müsse zur Ernährungssicherung die unnötige Verschwendung wertvoller Ackerflächen aufhören.
Albert Deß führt Beispiele an:
- In Deutschland werden pro Tag rund 120 Hektar meist fruchtbares Ackerland versiegelt. Dieser Flächenverbrauch muss eingedämmt werden, etwa durch Umnutzung schon vorhandener Gewerbeflächen oder auch durch Renaturierung.
- Das deutsche Gesetz zur Bereitstellung von Ausgleichsflächen muss dringend korrigiert werden. Es ist unverständlich, dass neben dem Flächenverbrauch für Industrie, Straßen und Siedlungen zusätzlich hochwertiges Ackerland als Ausgleichsfläche aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen werden muss, so Deß.
Albert Deß: "Die wichtigste Aufgabe von Landwirten bleibt die Bereitstellung von Lebensmitteln. Dafür brauchen unsere Bauern einen fairen Preis, sonst weichen sie auf andere Verwertungswege aus". Dass Landwirte heute auch im Energiebereich tätig seien, wäre eine Folge der zu niedrigen Marktfruchtpreise, mit denen die Bauern während der letzten Jahre zu kämpfen hätten. "Die Energieschiene ist eine Einkommensalternative geworden. Die Lebensmittelverarbeiter müssen umdenken: Agrarrohstoffe sind nicht mehr zu Schleuderpreisen zu bekommen", sagte Deß.
17.04.08
"Vor 30 Jahren verlacht..."
NEUMARKT. Der "Verein zur Förderung der Nachwachsenden Rohstoffe" hat MdEP Albert Deß als Vorsitzenden bestätigt.
Der Verein besuchte vor der Jahreshauptversammlung in Kastl den landwirtschaftlichen Betrieb von Georg Urban in Litzlohe. Die interessierten Mitglieder konnten sich dort umfassend über die Biogasanlage informieren. Georg Urban erläuterte den Gästen, darunter auch der neue Pilsacher Bürgermeister Adolf Wolf, die Vorgeschichte der Inbetriebnahme. Immer offen für Neues sein und die Neugierde waren es, die ihn zum Bau der Anlage veranlassten.
Im Jahre 2002 wurde die Biogasanlage erweitert auf eine Leistung von bis zu 190 kW. Heute erzeugt Landwirt Urban damit Strom und Wärme. Die Anlage hat noch so viele Reserven, um damit weitere Gebäude mit Energie zu versorgen zu können. MdEP Albert Deß bedankte sich bei Georg Urban für die informative Führung durch seinen Betrieb. Er betonte vor allem, dass er für seine Anlage auch aufgrund seines Fachwissens die richtige Größe gewählt hat.
In der anschließenden Jahreshauptversammlung in Kastl berichtete Albert Deß über die aktuelle Entwicklung beim Thema Nachwachsende Rohstoffe. Wegen der ständig steigenden Energiepreise sei dieses Thema aktueller denn je. Er verwies darauf, dass man bei der Vereinsgründung vor rund 30 Jahren verlacht wurde - angesichts solch utopischer Ideen wie "Energie aus Pflanzen".
In seinem Fachvortrag referierte Dr. Kreps von der Firma
KWS Saat AG zum Thema "Stand der Energiepflanzenzüchtung". Er verwies auf die ernormen Erfolge im Bereich der Pflanzenzüchtung. Bis 2013 hat seine Firma das Ziel, den Trockenmasseertrag bei Energiemaissorten auf bis zu 30 Tonnen je Hektar zu steigern - ein ehrgeiziges Ziel angesichts heutiger Erträge von rund der Hälfte. Zum Thema Gentechnik erklärte Dr. Kreps, dass sie "aufgrund der Vielfalt der Variationen in der Pflanzenzüchtung nicht notwendig ist."
Bei der Neuwahl wurde Albert Deß als Vorsitzender einstimmig bestätigt, ebenso seine Stellvertreter Maximilian Graml und Franz Kustner. Kassenprüfer bleiben Markus Bäuml und Gert Steuerl.
15.04.08
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