Landwirtschaft

"Gegen Quotenerhöhung"

NEUMARKT. Der Milchstreik machte deutlich, wie verzweifelt die Lage vieler Bauern ist, erklärte Albert Deß, agrarpolitischer Sprecher der CSU-Europagruppe.

Die niedrigen Erzeugerpreise für Milch hätten viele Ursachen - entscheidend hänge das mit den Vorschlägen zur Quotenausweitung von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel zusammen, die auch nach den Protesten in Deutschland "wenig Verständnis für den Milchlieferstreik" habe.

Vehement habe sich die CSU gegen jede Quotenausweitung gewehrt, erklärte Deß. Alle CSU-Abgeordneten im Europäischen Parlament hätten auch gegen die letzte Quotenerhöhung gestimmt und das gelte auch für Agrarminister Horst Seehofer. Letztlich sei nämlich die Tatsache, dass zuviel Milchmenge auf dem Markt ist, ursächlich dafür verantwortlich, dass der Erzeugerpreis für die Landwirte nach unten gehe.

Damit sich die Lage auf dem Milchmarkt nachhaltig verbessern kann, fordert Albert Deß: In zahlreichen Pressemeldungen und Reden im Parlament habe Albert Deß immer wieder auf die sich abzeichnende Problematik hingewiesen. Die Interessen der Landwirte und insbesondere der Milchbauern würden von keiner anderen Partei als der CSU entschiedener vertreten, erklärte Deß. Das könne man in den Protokollen des Europäischen Parlaments und auf der Homepage www.albert-dess.de nachlesen.
06.06.08

Landfrauen räumten Regale


Rund 60 Landfrauen kauften bei "Aldi" hunderte von Litern Milch und große Mengen Joghurts auf.

NEUMARKT. Neumarkter Landfrauen haben auch am Donnerstag wieder demonstrativ hunderte von Litern Frischmilch bei Discountern aufgekauft, um die Milchbauern in ihrem - zu diesem Zeitpunkt noch laufenden - Preiskampf zu unterstützen. Diesmal schlugen sie in den Kühl-Regalen von "Aldi" zu.

Nachdem bereits am Dienstag eine ähnliche Aktion in Neumarkt für Aufsehen sorgte (wir berichteten), nahmen sich am Donnerstag rund 50 Bäuerinnen aus dem Raum Neumarkt eine Neumarkter Filiale des Discounters "Aldi" vor. Die Landfrauen des des BBV-Kreisverbandes wollten damit erneut ihre Solidarität mit den streikenden Milchbauern bekundet, hieß es.

"Keine höheren Quoten"

Almesbach. Der Bezirksverband Oberpfalz des Bayerischen Bauernverbandes fordert vom Lebensmittel-Einzelhandel und den Molkereien die dauerhafte Durchsetzung von kostendeckenden und marktgerechten Erzeugerpreisen.

Dazu sei aber auch eine konsequente Ablehnung für sämtliche Quotenerhöhungen durch die Politik nötig, hieß es bei der Bezirksversammlung am Donnerstag in Almesbach.

Zugleich appelliert die Bezirksversammlung an die Milcherzeuger, konsequent Quoten-Disziplin zu halten. Es dürfe kein Liter Milch über die einzelbetriebliche Quote abgeholt werden.

Die Anbieterstruktur auf der Molkereiebene müsse durch Bündelung zu einem starken Verhandlungspartner gegenüber dem Lebensmittel-Einzelhandel ausgebaut werden.
bbv
Rund 200 Liter Frischmilch und 500 Joghurtportionen wurde aus dem Regal herausgekauft. Initiiert hatte die Aktion Kreisbäuerin Stilla Klein. Kreisobmann Martin Schmid unterstützte sie dabei.

Die aufgekauften Milchprodukte wurden dann als "Werbung für gesunde Schulmilch" in der Knabenrealschule an die Schüler verteilt. Milch und Joghurts fanden dabei reißenden Absatz.

Nachdem Lidl am Mittwoch und nun auch Rewe, Netto und Tengelmann angekündigt haben, ab nächster Woche den Verkaufspreis für Milch um 10 Cent pro Liter und für Butterum 20 Cent pro 250-Gramm-Päckchen zu erhöhen, sieht der Bauernverband nun die Molkereien gefordert. Der Präsident des Deutschen und des Bayerischen Bauernverbandes Gerd Sonnleitner appellierte an die Molkereien, je nach Verwertungsart der Milch in den Unternehmen die Preiserhöhung unverzüglich und in vollem Umfang an die Bauernfamilien weiterzugeben.

Nach seinen Verhandlungen am Donnerstag mit dem Lidl-Vorstand forderte Bauernpräsident Sonnleitner den übrigen Lebensmitteleinzelhandel auf, diesen Verhandlungsabschluss zu übernehmen. Mit der Entscheidung von Lidl, die Preise zumindest wieder auf das Niveau von April 2008 anzuheben, werde dem dramatischen Preisrückgang der letzten Wochen spürbar entgegengewirkt, heißt es vom Neumarkter BBV-Kreisverband. "Offensichtlich wurden die drängenden Zeichen der Bauernfamilien verstanden. Dies erwarten wir auch von den Verantwortlichen der übrigen Lebensmittelkonzerne", wird Sonnleitner zitiert.

BBV-Präsident Gerd Sonnleitner fordert alle weiteren Lebensmitteleinzelhändler und Molkereien auf, schnelle und auf den Milcherzeuger durchschlagende Abschlüsse zu erzielen. Die Bauern-Aktionen vor deren Verwaltungszentren halten angeblich nach wie vor an.

Durch den Streikaufruf, gezielte Öffentlichkeitsarbeit und viele weitere Aktionen wollten der Bund Deutscher Milcherzeugen (BDM) und der Bauernverband Mitbürger, Molkereien, Lebensmitteleinzelhandel und Politik auf die schwierige Situation der Milcherzeuger aufmerksam machen, hieß es.
05.06.08

"Höhere Preise notwendig"

NEUMARKT. Der derzeitige Milchstreik mache deutlich, wie verzweifelt die Lage vieler Bauern sei, erklärte MdEP Albert Deß.

Die zu niedrigen Milchpreise seien vor allem eine Folge der Fehlentscheidung von EU-Kommission, Agrarministerrat und EU-Parlament. Sie hätten mehrheitlich die zusätzliche Quotenerhöhung um zwei Prozent ab April 2008 beschlossen, "gegen die CSU und vor allem gegen den Willen einer deutlichen Mehrheit der bäuerlichen Milcherzeuger".

"Im Europäischen Parlament haben alle CSU-Abgeordneten gegen die Quotenausweitung gestimmt", betont Albert Deß, agrarpolitischer Sprecher der CSU-Europagruppe und Landesvorsitzender der CSU-Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft.

Damit sich die Lage auf dem Milchmarkt nachhaltig verbessern kann, fordert Albert Deß: Im Agrarministerrat habe Horst Seehofer bis zum Schluss neben Österreich weitere Verbündete gegen die Quotenerhöhung gesucht. "Aber in der Demokratie entscheiden Mehrheiten und die haben sich vom Irrglauben der EU-Kommission leiten lassen, dass der Markt problemlos eine höhere Milchmenge aufnehmen kann", erklärte Albert Deß.

Der Gesundheitscheck zur EU-Agrarpolitik der EU-Kommission, der in den kommenden fünf Jahren nochmals fünf Prozent mehr Milchquote vorsieht, sei ein verheerendes Signal: Damit verschärfe die EU-Kommission den Preisverfall. Die "sanfte Landung", von der die EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel den Bauern gern vorschwärme, sei "ein Luftschloss".

"Die Milchbauern in Europa brauchen auch nach 2015 ein vernünftiges System zur Steuerung der Milchmenge. Die EU-Kommission soll sich anstrengen und einen sinnvollen Vorschlag vorlegen", erklärte Deß.
05.06.08

"Mit Milchbauern solidarisch"


Landrat Albert Löhner und Bürgermeister Bernhard Kraus sprachen den Milchbauern ihre Solidarität aus und erhielten dafür den "Faironika".

NEUMARKT. Die Lokal-Politiker des Landkreises stehen an der Seite der Milchbauern: die Spitzen des Landkreises und des Gemeindetag bekräftigen am Mittwoch in Prönsdorf ihre Solidarität - und erhielten von den Landwirten dafür die Auszeichnung "Faironika".

Den Schulterschluss für die heimische Landwirtschaft demonstrierten zum wiederholten Male Landrat Albert Löhner für den Landkreis und Bürgermeister Bernhard Kraus aus Velburg für die Gemeinden des Landkreises zusammen mit der Vorstandschaft des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) im Landkreis. Auf dem Hof von Walburga Ehrnsperger in Prönsdorf versicherten die Vertreter des Landkreises und des Bayerischen Gemeindetages ihre Solidarität und Unterstützung für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe im Landkreis.

"Wir stehen als Kommunen an der Seite unserer Landwirte und setzen uns gemeinsam bei allen verantwortlichen Stellen dafür ein, dass unsere Bauern für ihre wertvollen Produkte auch einen angemessenen Erlös erzielen können. Das gilt ganz besonders für das Grundnahrungsmittel Milch", betonten Löhner und Kraus einmütig. Der Landkreis hat dazu auf Initiative von Landrat Albert Löhner bereits eine umfangreiche Resolution beschlossen (wir berichteten bereits am Montag).

Die Vorstandschaft des BDM, Fritz Wienert, Xaver Geitner und Bernhard Hiltl bedankten sich beim Landrat und bei Bürgermeister Kraus für die Unterstützung und überreichten als Symbol ihrer Forderung für faire Milchpreise jeweils eine "Faironika".

Die Resolution im Wortlaut:

Der Landkreis Neumarkt unterstützt die Forderung der Milchbauern nach einem auskömmlichen Milchpreis. Der Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Umweltausschuss des Landkreises hat daher in seiner Sitzung vom 2. Juni 2008 beschlossen:
  • Der Landkreis Neumarkt i.d.OPf. unterstützt seit vielen Jahren alle Initiativen und Projekte zur Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft im Landkreis. Im Regionalentwicklungskonzept des Landkreises wird der Förderung der Erzeugung und Vermarktung regionaler Nahrungsmittel und regionaler Wirtschaftskreisläufe eine besondere Bedeutung zugemessen. Insbesondere müssen die Erzeuger auch für einen wirtschaftlichen Betrieb auskömmliche Preise erhalten. Der Landkreis unterstützt daher mit Nachdruck die Bemühungen der Milchbauern, einen fairen Preis für dieses wertvolle Nahrungsmittel zu erzielen.
  • Die milchverarbeitenden Betriebe und auch der Lebensmittelhandel werden aufgefordert, unverzüglich in Verhandlungen mit den Milchbauern einzutreten und dauerhaft kostendeckende Abnahmekonditionen anzubieten.
  • Der Landkreis Neumarkt bittet seine Bürgerinnen und Bürger, Solidarität mit den landwirtschaftlichen Familienbetrieben des Landkreises zu bezeugen.
  • Der Landkreis appelliert an die Mandatsträger auf allen politischen Ebenen, an die Ämter und Verbände sowie an die zuständigen Ministerien, die Milchbauern bei ihren Bemühungen und Verhandlungen um einen fairen Milchpreis zu unterstützen.

04.06.08


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ISSN 1614-2853
15. Jahrgang
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