Landwirtschaft
"Gegen Quotenerhöhung"
NEUMARKT. Landwirte greifen zu einem drastischen Mittel, um ihrer Forderung nach auskömmlicheren Milchpreisen mehr Gehör zu verschaffen: Sie liefern keine Milch mehr an ihre Molkereien. "Für die Streikaktion der Milchviehbauern habe ich großes Verständnis", erklärt Albert Deß, agrarpolitischer Sprecher der CSU-Europagruppe und Landesvorsitzender der CSU Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft.
Der Lieferstreik habe jedoch nur Sinn, wenn zumindest bundesweit die Aktion mit der gleichen Beteiligung durchgeführt werde. Es sei wenig zielführend, wenn die Molkereien, die noch einen verhältnismäßig guten Milchpreis bezahlten, mehr bestreikt werden als solche, die einen schlechten Milchpreis zahlen, sagte Deß.
Die Aktion hätte gerade bei diesen Molkereien beginnen müssen, die den niedrigsten Preis bezahlen. Besser und noch wirkungsvoller wäre ein europaweiter Milchlieferboykott. Albert Deß: "Der Milchstreik bestärkt mich in der Forderung, dass zum einen das jetzige Quotensystem bis 2015 konsequent angewendet werden muss und dass andererseits gerade die bäuerlichen Familienbetriebe auch nach 2015 ein sicheres System zur Steuerung der Milchmenge brauchen."
Der Gesundheitscheck zur EU-Agrarpolitik der EU-Kommission, der in den kommenden fünf Jahren nochmals fünf Prozent mehr Quote vorsehe, habe eine verheerende Signalwirkung: Die EU-Kommission verschärfe damit den Preisverfall auf dem Milchmarkt. Die "sanfte Landung", von der die EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel den Bauern vorschwärme, sei eine Mogelpackung. Ohne ein Paket von Begleitmaßnahmen werde das Auslaufen der Milchquote in der jetzigen Form eine "harte Landung" werden, für die Milchbauern aber auch für die Verbraucher.
Die miserablen Milchpreise seien auch eine Folge der krassen Fehlentscheidung von EU-Kommission, Agrarministerrat und EU-Parlament, die mehrheitlich für die zusätzliche Quotenerhöhung um zwei Prozent ab April 2008 gestimmt haben. Dies geschah gegen den ausdrücklichen Willen der CSU und vor allem gegen den Willen einer deutlichen Mehrheit der bäuerlichen Milcherzeuger, erklärte Deß.
"Im Europäischen Parlament haben alle CSU-Abgeordneten gegen die Quotenausweitung gestimmt. Agrarminister Horst Seehofer hat im Agrarministerrat bis zum Schluss Verbündete gegen die Quotenerhöhung gesucht. Aber in der Demokratie entscheiden Mehrheiten und die haben sich vom Irrglauben der EU-Kommission leiten lassen, dass der Markt problemlos eine höhere Milchmenge aufnehmen kann", stellt Albert Deß klar.
28.05.08
Impfung für Wiederkäuer
NEUMARKT. Im Landkreis Neumarkt laufen derzeit die Vorbereitungen zur Durchführung einer EU-weiten Impfaktion gegen die Blauzungenkrankheit (
Blue Tongue Disease, BT) bei Wiederkäuern.
Der Landkreis Neumarkt war im letzten Jahr bereits einmal Sperrgebiet, nachdem bei einem Rind in der Gemeinde Mühlhausen ein Fall von Blauzungenkrankheit festgestellt worden war (
wir berichteten)
Ab Anfang Juni beginnt nun im gesamten Landkreis eine flächendeckende Impfung aller Rinder, Schafe und Ziegen mit einem Alter von über drei Monaten.
Mit den in Kürze zur Verfügung stehenden Impfstoffen gegen die Blauzungenkrankheit in der Oberpfalz wird die Möglichkeit eröffnet, einen Erstschlag zum Schutz und gegen die Weiterverbreitung der durch Stechmücken auf unsere Wiederkäuerpopulation übertragbaren Viruserkrankung zu führen, hieß es am Mittwoch aus dem Landratsamt.
Bei der Blauzungenkrankheit handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, die mit hohen Tierverlusten einhergehen kann.
Der Erreger ist ein Virus vom Typ BTV-8.
Die Blauzungenkrankheit trat erstmals im Jahre 2006 in Mitteleuropa und auch in der Bundesrepublik Deutschland auf.
Bereits im Jahre 2007 waren bundesweit über 20.000 Tiere (Bayern 280 Tiere) betroffen.
Der Überträger dieser Virusinfektion der Wiederkäuer ist eine Stechmückenart der Gattung
Culicoides, sogenannte "Gnitzen".
Typische Krankheitsbilder bei BT sind Schläfrigkeit, Fressunlust und Fieber.
Diese Symptome gehen einher mit Entzündungen und Schwellungen an unbehaarten Körperstellen und an den Schleimhäuten im Maul- und Zungenbereich (sogenannte Lippen-, Gesichts-, Ohren- und Zungenödeme) und können bei Schafen zur charakteristischen Blaufärbung der Zunge (Blue Tongue) führen.
Durch bakterielle Sekundärinfektionen können sich Geschwüre und Abszesse bilden.
Besonders hoch ist die Sterblichkeitsrate bei Jungtieren (bis zu 95 Prozent).
Wegen der besonderen Gefährdung der kleinen Wiederkäuer wird in einem ersten Schritt die Impfung in den Schaf- und Ziegenbeständen durchgeführt. Im Anschluss daran wird gegen Ende Juni die Impfung in allen Rinderbeständen durchgeführt.
Hier erfolgt eine zweimalige Impfung im Abstand von drei bis vier Wochen.
Bei der Impfung handelt es sich um eine Pflichtimpfung für alle Rinder-, Schaf- und Ziegenhalter. Rechtsgrundlage hierfür ist eine EU-Verordnung.
Jeder Tierhalter kann den Tierarzt seiner Wahl mit der Durchführung der Impfung beauftragen und ihm die Zahl der zu impfenden Tiere im Alter von über drei Monaten zu melden.
Das Veterinäramt Neumarkt organisiert die Impfstoffausgabe an die Tierärzte.
Die Impfstoffkosten trägt der Freistaat Bayern, sämtliche Kosten für die Impfdurchführung bei Rindern werden von der Bayerischen Tierseuchenkasse übernommen. Bei den Schafen gibt es nur einen Zuschuss der Bayerischen Tierseuchenkasse. Die Ziegenhalter müssen die Kosten der Impfdurchführung selbst tragen.
Auskünfte erteilen die praktizierenden Tierärzte und das Veterinäramt Neumarkt unter Telefon 09181/470-421.
21.05.08
"Viel Schatten, wenig Licht"
NEUMARKT. Der Vorschlag der Kommission zum Gesundheits-Check sei unausgewogen und benachteilige die bäuerliche Landwirtschaft in Bayern. "Einst verbindliche Zusagen der EU-Agrarkommissarin haben anscheinend keine Bedeutung mehr", stellt Albert Deß, agrarpolitischer Sprecher der CSU-Europagruppe und bayerischer Landesvorsitzender der CSU-Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft, fest.
Die aktuellen Vorschläge der EU-Kommission würden rund 50 Prozent der bayerischen Betriebe bedrohen. Mit weiterer Kürzung, Entkopplung und noch mehr Umverteilung der Agrargelder fehle den Betrieben jedes Jahr ein großer Teil der bis 2013 fest versprochenen Ausgleichszahlungen, erklärte Deß. Darunter würden auch die genossenschaftlichen Trockenfutterwerke in Bayern leiden.
Die bayerischen Milchregionen mit den Mittelgebirgslagen und sonstigen benachteiligten Gebiete brauchen Deß zufolge eine Perspektive im Milchbereich. Sie dürften "durch die politische Willkür der EU-Kommission nicht in den Ruin getrieben" werden. Die Schaffung eines Milchfonds sei sinnvoll und absolut notwendig. Die Finanzierung könne mit nicht ausgeschöpften Geldern des EU-Haushaltes erfolgen.
Die EU-Kommission beharre auf dem Auslaufen der Milchquote im Jahr 2015. Besonders unverständlich sei, wie die EU-Kommission ihr Versprechen einer "sanften Landung" bei der Milch einlösen wolle: Mit einer weiteren Quotenaufstockung von je einem Prozent über fünf Jahre und ohne ein entsprechendes Begleitprogramm wird es keine sanfte, wohl aber eine "brutale Landung" geben. erklärte Deß.
Kritisch beurteilt Albert Deß auch die weitgehende Abschaffung der staatlichen Getreideeinlagerung. "Tritt heute ein Versorgungsengpass ein, sind die Getreidevorräte der EU nach 30 Tagen erschöpft. Er fordert die EU-Kommission auf, der Versorgungssicherheit für die EU-Bürger mehr Augenmerk zu schenken."
Positiv hervorzuheben an die Kommissionsvorschlägen seien die Abschaffung der Flächenstilllegung und der Wegfall der bürokratischen Energiepflanzenprämie.
Das Fazit von Albert Deß: "Bayern und Deutschland werden alles daran setzen, bei den kommenden Verhandlungsrunden im EU-Parlament und EU-Agrarministerrat eine praxisnahe und tragbare Lösung zu erarbeiten. Wir rechnen dabei fest mit der Unterstützung der Agrarnation Frankreich, die ab Juli 2008 die Präsidentschaft der EU übernimmt."
20.05.08
Konkurrent für Fischer
NEUMARKT. "Die unkontrollierte Ausbreitung der Kormorane ist zu bremsen. Dazu brauchen wir eine europaweit abgestimmte Strategie", erklärt Albert Deß, agrarpolitischer Sprecher der CSU-Europagruppe und Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Berufsfischer.
Albert Deß schlägt vor, einen EU-weiten Managementplan aufzustellen, um gemeinsam auf die Populationsentwicklung reagieren zu können. Bei derzeit rund zwei Millionen Exemplaren in der EU und Osteuropa bestehe dringend Handlungsbedarf. Die Tiere würden täglich etwa 1.000 Tonnen Fisch vertilgen. Die Schäden pro Tag gingen in die Millionen. Kormorankolonien würden die Fischbestände so gravierend schädigen, dass der Mensch regulierend eingreifen müsse. Dabei gehe es "nicht um die Ausrottung dieses Fischfressers. Ziel ist ein verträgliches Nebeneinander von Mensch, Fisch und Vogel", erklärte Deß.
Der Kormoran zählte früher zu den bedrohten Tierarten. Durch die Schutzmaßnahmen habe sich die Anzahl der Tiere weit über das normale Maß erhöht. Der Kormoran sei zu einer Art geworden, die sich auf Kosten anderer Tierarten immer weiter verbreite. Albert Deß: "Zu einer verantwortungsvollen Naturschutzpolitik gehört es auch, regulierend einzugreifen, wenn natürliche Lebensgrundlagen von anderen Tieren empfindlich gestört werden". Zusammen mit anderen Kollegen fordert Albert Deß, dass das Thema im Fischereiausschuss des Europäischen Parlaments behandelt werden muss. Albert Deß: "Ich fordere die Verantwortlichen in der EU-Kommission auf, sinnvolle Vorschläge für einen EU-weiten Kormoran-Managementplan vorzulegen.
16.05.08
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