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Neuerscheinungen und Lese-Tipps



Zuwanderung und Integration

NEUMARKT. Boatpeople und Festung Europa, Burka und Ehrenmorde, schleichende Islamisierung und Fremdenfeindlichkeit, Hassprediger und Ausbeutung illegaler Arbeitskräfte - auch auf dem Thementisch im Januar der Stadtbibliothek prallen gegensätzliche Ansichten zur Zuwanderung und Integration aufeinander. Gerade das aber sei die Chance, sich umfassend zu informieren, hieß es.
  • Unter dem Titel "Der Multikulti-Irrtum" räumt die Rechtsanwältin Seyran Ates mit dem Traum vom glückseligen Miteinander auf. Ihr Vorwurf: Im toten Winkel der Multikulti-Ideologie haben sich gegeneinander abgeschottete Parallelgesellschaften gebildet, werden junge Frauen von ihren Vätern zwangsverheiratet, verfügen Männer über ihre Frauen wie über Eigentum. Ziel müsse eine "transkulturelle" Gesellschaft sein, in der die eigene kulturelle Identität nicht mehr als Deckmantel für die Missachtung elementarer Menschenrechte dienen kann.
  • In "Große Reise ins Feuer" schildert die gleiche Autorin, wie sie mit sechs Jahren nach Berlin kam und hier so aufwuchs, wie es in Anatolien üblich war. Nur für die Schulstunden durfte sie das Haus verlassen, daheim musste sie Vater und Brüder bedienen, Schläge waren ihr täglich Brot – bis sie couragiert den Widerstand ihrer Familie überwandt.
  • "Döner, Machos und Migranten" ist der Titel eines autobiografischen Berichts von Betül Durmaz. Die in der Türkei geborene deutsche Lehrerin erzählt von ihrer eigenen Migrationsgeschichte und den Schicksalen ihrer Schüler und Schülerinnen an einer Förderschule in einem sozialen Brennpunkt Gelsenkirchens.
  • "Jung, erfolgreich, türkisch" aus der Feder von Erkan Arikan und Ham Murat ist laut Untertitel "ein etwas anderes Porträt der Migranten in Deutschland". Es stellt erfolgreiche türkische Mitbürger vor, die zu einem positiven Bild der dritten Generation der Zuwanderer beitragen.
  • "Ehrenmord" geht den Hintergründen der Ermordung von Hatün Sürücü nach, die 2005 sterben musste, weil sie wie eine Deutsche leben wollte. Die Recherchen der Autoren führten zum inhaftierten Täter, zur heute aus Sicherheitsgründen mit einer neuen Identität lebenden Hauptbelastungszeugin und bis ins ostanatolische Heimatdorf der Familie.
  • Ganz anders der Roman "Heimstraße 52", unabhängige Fortsetzung von "Die Tochter des Schmieds" von Selim Özdogan. Eine junge Frau aus einem anatolischen Dorf folgt ihrem Mann nach Delmenhorst, wo sie sich mit der Heimat im Herzen ein neues Zuhause aufbaut.
  • "Bilal" von Fabricio Gatti ist eine aktuelle Reportage über die Flüchtlingsroute durch die Sahara und die Schicksale Illegaler am Rand der Festung Europa. Wie Günter Wallraff ist der Autor in eine andere Identität geschlüpft und hat sich als illegaler kurdischer Flüchtling vor der italienischen Insel Lampedusa aus dem Meer fischen lassen, hat die Strapazen, die Misshandlungen, die Lebensgefahr am eigenen Leibe erfahren.
  • "Umgang mit Flüchtlingen" heißt eine Sammlung von Fachbeiträgen namhafter Autoren wie Edzard Reuter, Rita Süssmuth und Rupert Neudeck. Sie sehen die Flüchtlingsströme, die Europa erreichen – oder auch nicht, weil die maroden, überladenen Kähne vor der Küste Schiffbruch erleiden – in erster Linie nicht als soziales, politisches oder ökonomisches, sondern vor allem humanitäres Problem.
  • In "Sie nahmen mir die Freiheit" berichtet eine ohne Papiere in Deutschland lebende Frau (unter dem Pseudonym Maria Moreno) über ihr Leben am Rande der Gesellschaft. Als billige Putzhilfe, in der Gastronomie, auf dem Bau wird die Arbeit der ohne rechtlichen Aufnahmestatus hier lebenden Menschen oft schamlos ausgenutzt. Ständige Angst vor Entdeckung zwingt zu einem Dasein im Verborgenen, ohne Krankenversicherung, ohne Schulbesuch der Kinder, ohne Rechte und ohne Zukunft.
  • "Die große Verschleierung" heißt die von Alice Schwarzer herausgegebene Aufsatzsammlung von Journalistinnen und Wissenschaftlerinnen, die sich gegen die schleichende Islamisierung Europas wenden. Verschleiert würde nicht nur die Frau, sondern ebenso die Absichten der Islamisten.
  • "Neger, Neger, Schornsteinfeger" ist die Geschichte von Hans J. Massaquoi, der als kleiner Junge in Nazi-Deutschland bei seinem Großvater, dem Konsul des Staates Liberia, lebt. Er sieht Schwarze als Herren, Weiße als Bedienstete – bis er plötzlich allein mit seiner Mutter ist. Jetzt rufen ihm die Kinder "Neger, Neger, Schornsteinfeger" nach, aber nicht lange, dann ist er als Barmbecker Arbeiterjunge integriert – mit dunkler Haut und krausem Haar.
  • Dazu passt "Die Farbe meiner Haut", ein autobiografisches Plädoyer von Manuela Ritz gegen den Rassismus in Deutschland. Als "schwarze Deutsche" begegnet sie der verdeckten und offenen Diskriminierung durch eine weiße Mehrheitsgesellschaft in einem schmerzlichen Erkenntnisprozess, der in einen aufklärerischen Kampf gegen Rassismus mündet.
  • Zum Schluss noch eine DVD: "Almanya – Willkommen in Deutschland" ist eine Multikulti-Komödie aus der Sicht türkischer Gastarbeiter, die gewitzt und gekonnt sämtliche Vorurteile durch den Kakao zieht. In der ersten Hälfte dieses großen Kinoerfolgs gibt es viel zu Lachen, aber Vorsicht: in der zweiten fließen auch Tränen.

Thema "Liebe"


Die künstlerische Plakatgestaltung zum Thema "Liebe"
Grafik: Jan Neve
NEUMARKT. Auf den ersten Blick erscheint es nicht unbedingt originell, was sich die Stadtbibliothek für ihren Thementisch im Dezember ausgedacht hat: Weihnachten, das Fest der Liebe! Umso erstaunlicher ist die Vielfalt, die den Lesern unter diesem Motto geboten wird. Da liegen stimmungsvolle Romane bereit, um an langen Winterabenden das Herz zu erwärmen. Hinzu kommen Sachbücher, die dem unerschöpflichen Thema aus den verschiedensten Blickwinkeln auf den Grund gehen. Und auch die die Einsamkeit ist nicht vergessen, setzt doch gerade zur Weihnachtszeit das Alleinsein manchen besonders heftig zu.
  • Anrührend und fesselnd der Roman "Fremde Schwestern" von Renate Ahrens. Der plötzliche Besuch ihrer untergetauchten Schwester Lydia und deren siebenjähriger Tochter wirft Franka aus der geordneten Bahn. Die ungleichen Geschwister sind nie gut miteinander ausgekommen, zudem wurde Lydia später drogenabhängig. Doch nun muss die kinderlose Franka ihre Abneigung überwinden und in die Mutterrolle schlüpfen, denn Lydia ist schwer erkrankt.
  • Eine tragische Liebesgeschichte ist Astrid Rosenfeld mit "Adams Erbe" gelungen. Es ist ein eigenartiges Erbe, der der junge Edward Cohen von seinem Großonkel Adam erhalten hat: Er gleicht ihm wie ein Ei dem anderen. Ein Fund auf dem Dachboden ermöglicht es ihm, die Vergangenheit seines längst verstorbenen Verwandten zu enträtseln. Sie führt in das Berlin der 30er Jahre – für Juden keine Zeit der unbeschwerten Liebe.
  • Spannend und mit britischem Humor gewürzt kommt "Zwei an einem Tag" von David Nicholls daher. Der Lebemann Dexter und die bescheidene Emma finden von einer unverbindlichen Liebesnacht zu tiefer Freundschaft. Aber wird es ein Happy End geben? Gegensätzliche Charaktere lässt auch Nicole Balschun in "Ada liebt" aufeinander prallen. Ada liebt Bo, und Bo liebt Ada. Aber Bo züchtet Schweine, alles an ihm und um ihn herum riecht danach. Ada, intellektuelle Studentin, traut Schweinen nicht über den Weg – und misstraut deshalb auch ihrer Liebe.
  • Um Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit geht es in "Zusammen ist man weniger allein" von Anna Gavalda. Am Fuße des Eiffelturms bilden vier zufällig vom Leben zusammengespülte Außenseiter eine Wohngemeinschaft. Sie leben zusammen und sind doch isoliert, weil jeder seine eigenen Wunden und Ängste hinter einer Fassade versteckt – bis es einer wagt, seine Hilfe anzubieten. Ganz sachlich packt dagegen Ulf Poschard das Thema Einsamkeit (so auch der schlichte Titel) an. Er sieht das Alleinsein auch als Chance zur Selbstfindung und zeigt in kleinen Geschichten auf, wie sich Einsamkeit positiv oder negativ auswirken kann.
  • "Vatertöchter – Muttertöchter" von Ute Karen Seggelke bestätigt, das Töchter fast immer durch ein Elternteil stärker geprägt sind. Sechs Mutter-Tochter- und sieben Vater-Tochter-Paare sprechen offen und selbstkritisch über ihre Beziehung, sparen dabei auch heikle Themen, Verletzungen und Bitterkeit nicht aus. In "Ein Paar – ein Buch" stellt Eduard Augustin Ehe-, Freundes-, Liebes-, Zufalls- und sonstige Bekanntschaften vor. Es geht tatsächlich um Zweisamkeit im weitesten Sinne, um Paare jeglicher Couleur.
  • Unter dem Titel "Die Liebe, der Alltag und ich" zeigt der Klinische Psychologe und Paartherapeut Hantel-Quitmann alle Stationen einer Partnerschaft von den ursprünglichen Liebesidealen bis zu den Klippen des Alltags auf. Was können Männer, was Frauen zum Erhalt der Partnerschaft beitragen? Wie kann Liebe im Alltag gelebt werden? Das sind nur zwei von vielen Fragen und noch mehr Antworten. "Liebe ist … eine besondere Form von Geisteskrankheit" stellt Sven Görtz ganz unwissenschaftlich und stattdessen provozierend fest. In heiteren Essays erzählt er, wie sich Liebe finden und erhalten lässt.
  • "Wenn Frauen jüngere Männer lieben" von Dana Horáková greift eine viel diskutierte und rasant zunehmende Variante heraus. Grundverschieden sind die porträtierten Paare von Joséphine und Napoleon Bonaparte bis Demi Moore und Ashton Kutcher. Durchgehend attraktiv erscheinen die Reife und Gelassenheit der älteren Frau – "belohnt" mit erfüllenden Gesprächen und gutem Sex.


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Deining im Internet - die Lokalausgabe der Internet-Tageszeitung neumarktonline. Aktuelle Berichte, Meldungen und News aus Deining im Internet
ISSN 1614-2853
11. Jahrgang
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