Landwirtschaft
"Förderwürdigkeit in Gefahr"
NEUMARKT. Die Herbst-Obmännertagung des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Hollerstetten war vollgepackt mit Themen.
Kreisobmann Martin Schmid konnte dazu auch seinen Stellvertreter Michael Gruber, Geschäftsführer Thomas Bayerl mit Franz-Josef Poll, Landwirtschaftsdirektor Johann Mederer, vor allem aber auch den designierten Direktor für Niederbayern und die Oberpfalz, Peter Huber, als Referenten begrüßen.
In einem Kurzreferat sprach Kreisobmann Martin Schmid die Agrarthemen an, die derzeit in Berlin und Brüssel aktuell sind. Man habe 2010 ein schwieriges Jahr wegen der Witterung gehabt, so Schmid. In Brüssel werde bald die Entscheidung über die Ausgleichszulage und den Abbau von Treibhausgasen fallen. Wichtige Beratungen finden dort auch über die Weiterführung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU an. "Der Bauernverband bringt sich dort intensiv in die Diskussion ein", so Schmid. Auch im Kleinem bewirke der Bauernverband Positives, wie zum Beispiel derzeit in den Beschlüssen der Gemeinde- und Stadträte zu den Straßenausbaubeitragssatzungen im Außenbereich.
BBV-Direktor Peter Huber zählte weitere Erfolge des Verbandes auf, wie beim Agrardiesel oder der Erbschaftssteuerreform. Er sprach auch die Direktzahlungen an die Bauern an. "Die Direktzahlungen brauchen wir", so Huber. "Sie sind ein Instrument zur Erhaltung der Stabilität. Wir brauchen für die zunehmenden Preisschwankungen auch eine steuerfreie Risikorücklage". Der Anteil der Landwirtschaft im Vergleich mit allen Positionen im Haushalt liege bei ein Prozent. "Es wird bei der Landwirtschaft immer nur der EU-Haushalt gesehen". Bei der Neugestaltung der Förderkulisse der Ausgleichszulage, ist der derzeitige Stand, dass Teile des südlichen Landkreises Neumarkt herausfallen, so Huber. Hier gelte es, weiterhin Einfluss zu nehmen.
BBV-Geschäftsführer Thomas Bayerl sprach die Winterversammlungen mit den Themen Vertragsrecht und Regeln des Marktes an . Er wies darauf hin, dass Nutzungsverträge bei Windkraftanlagen rechtlich geprüft werden sollten.
Landwirtschaftsdirektor Johann Mederer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg, sagte, dass es beim Kulturlandschaftsprogramm Einsparungen geben wird. Näheres gebe es nach dem Kassensturz der Bayerischen Staatsregierung im November. Investitionsprogramme werden stark in Anspruch genommen, derzeit gibt es aber einen Bewilligungsstopp. Er erläuterte das neue Verfahren für die Mehrfachantragstellung 2011. Als Pilotprojekt könne der Mehrfachantrag nur noch über das Internet gestellt werden. Hierfür würden über den Winter Schulungen angeboten. Weitere Dienstleister in der Landwirtschaft sollen hierfür auch noch einbezogen werden.
29.10.10
Im hohen Norden

Erinnerungsfoto vor dem Holsten-Tor: die Neumarkter Milch-
bauern in der Hansestadt Lübeck
NEUMARKT. Wenns um die Milch geht, dann reist ein Oberpfälzer Bauer auch schon einmal ganz weit in den Norden zu einem Treffen mit einem EU-Agrarkommissar.
Milchbauern vom Neumarkter Kreisverband des BDM und der Velburger Landesvorsitzende Fritz Wienert waren in Lübeck.
Unter dem Motto "Wir haben die Milchpolitik fest im Blick" waren Oberpfälzer Milcherzeuger des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) bei der diesjährigen Herbstkonferenz der Länderagrarminister in Lübeck mit dabei. In zahlreichen Gesprächen mit Ministern und Staatssekretären und kreativen Aktionen zeigten die BDM-Milchbauern, "dass die Probleme des Milchmarkts trotz der aktuellen Markterholung nicht gelöst sind und daher weiter Thema sein müssen".
Die Milcherzeuger trugen ihre Vorstellung von einer Neuausrichtung der Agrar- und Milchpolitik im gesellschaftlichen Konsens auch EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos vor.
"Ich habe ihre Botschaft verstanden", diese Aussage von Dacian Ciolos, gerichtet an uns Milcherzeuger, zeige, "dass unsere Bemühungen um eine neue Ausrichtung der Agrarpolitik langsam fruchten", so BDM-Landesvorsitzender Fritz Wienert aus Velburg. Ciolos war vor seiner Abreise aus Lübeck auf die BDM-Milcherzeuger persönlich zugegangen.
Realität kehre "auch zunehmend" in der nach 2013 einsetzenden Finanzperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ein. "Was die deutsche Bundesregierung und andere Berufsverbände bisher den Bauern verschweigen wollten, wird in vielen geführten Diskussionen sichtbar", sagt Bernhard Hiltl vom BDM im Landkreis Neumarkt. Bei den Direktzahlungen werde es einen gewissen Anpassungsprozess zwischen West- und Osteuropa geben. "Die Bundesregierung sollte den Bauern endlich reinen Wein einschenken und nicht weiterhin Verschleierung betreiben", so Hiltl weiter. Er warnt jedoch davor, die Diskussion auf die zukünftige Gestaltung der Direktzahlungen zu beschränken.
Wichtig sei es, vor der konkreten Ausgestaltung der Mittelverteilung eine grundsätzliche Diskussion über ein neues Leitbild einer multifunktionalen Landwirtschaft zu führen. Eine Neuausrichtung der Agrarpolitik müsse vorrangig darauf abzielen, den Landwirten zu ermöglichen, ihr Einkommen wieder über den Verkauf ihrer Produkte zu erzielen. Dies bedeute, dass die Politik Rahmenbedingungen schaffen müsse, mit denen im Speziellen die Milcherzeuger in die Lage versetzt werden, ein Marktgleichgewicht im Milchsektor zu schaffen.
11.10.10
Bananenmilch als Symbol
NEUMARKT. Zum Welternährungstag schenken die Landfrauen am Samstag Bananenmilch als Symbol heimischer und importierter Produkte aus.
Faire Preise für Lebensmittel aus heimischer Produktion ebenso wie für importierte Lebensmittel würden in Bayern und weltweit das Einkommen für bäuerliche Familien sichern, heißt es in der Einladung zum Bauernmarkt am Samstag.
Die Landfrauen im Bayerischen Bauernverband machen im Rahmen des diesjährigen Welternährungstages mit ihren Aktionen auch in Neumarkt auf dem Bauernmarkt von 8.30 Uhr bis 11 Uhr auf diese Zusammenhänge aufmerksam.
Lebensmittel seien mehr wert als ihr Preis im Supermarkt. Sie würden einen entscheidenden Beitrag zu unserer Gesundheit leisten, auf höchstem Qualitätsniveau produziert und dazu Arbeitsplätze in der Region und den Erhalt der heimischen Kulturlandschaft sichern.
Zudem machen die Landfrauen an ihren Ständen auf das Engagement des Berufstandes zur Entwicklungshilfe und die Positionen zur Welternährung aufmerksam.
05.10.10
Schlechte Getreideernte
NEUMARKT. Wegen des langen Winters, des nasskalten Frühjahrs, der extremen Hitze und Trockenheit im Juli sowie einer Verringerung der Anbaufläche um fast fünf Prozent wird es 2010 in Bayern voraussichtlich eine Getreideernte (ohne Körnermais) von nur 6,4 Millionen Tonnen geben.
Dies sind gut sieben Prozent weniger als der langjährige Durchschnitt.
Wie das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung weiter mitteilt,
ist diese Hochrechnung noch mit einer größeren Unsicherheit behaftet, da aufgrund
des bisher sehr niederschlagsreichen Augusts bis zuletzt noch ein beachtlicher
Anteil des Getreides auf den Feldern stand.
Als Durchschnittsertrag werden 60,2
Dezitonnen je Hektar erwartet. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang
um knapp fünf Prozent, gegenüber dem langjährigen Durchschnitt ein Minus von gut vier
Prozent.
Die von den bayerischen Landwirten bewirtschaftete Getreidefläche (ohne Körnermais) verringerte
sich nach dem vorläufigen Ergebnis der Bodennutzungshaupterhebung 2010 gegenüber
dem Vorjahr um 4,9 Prozent oder 54.400 Hektar auf 1,06 Millionen Hektar.
Die Flächenminderung
betraf sowohl das Winter- als auch das Sommergetreide. Die Anbaufläche
des ertragreicheren Wintergetreides sank binnen Jahresfrist um 33.400 oder 3,5 Prozent
auf 911.100 Hektar, was im Wesentlichen auf der Flächenreduktion bei Wintergerste um 20.000
Hektar (-7,0 Prozent) und Winterweizen um 10.900 Hektar (-2,0 Prozent) beruht.
Die Sommergetreidefläche verminderte sich im Vergleich zum Vorjahr um 20.900 Hektar
oder 12,3 Prozent auf 149 300 Hektar. Ausschlaggebend hierfür war der erneute starke Rückgang
der überwiegend als Braugerste verwendeten Sommergerste um gut 20.000 Hektar oder
16,2 Prozent auf den bisherigen Tiefststand von 104.700 Hektar.
Die Aussaat von Wintergetreide im Herbst 2009 konnte rechtzeitig erfolgen. Auf einen langen
Winter folgte ein niederschlagsreiches und viel zu kühles Frühjahr, wodurch sich die Entwicklung
beim Wintergetreide erheblich verzögerte.
Konnte der Wachstumsrückstand durch die ab
der letzten Juni-Dekade einsetzende warme Witterung zum Teil aufgeholt werden, führte der trockene
und heiße Juli mancherorts zu erheblichen Trockenschäden. Insbesondere im Norden
Bayerns führten Trockenheit und Hitze bei einigen Getreidekulturen zur Notreife und folglich
zu erheblichen Ertragsausfällen.
Die einmonatige Hitzephase wurde Ende Juli durch wechselhaftes
Wetter mit vielen Niederschlägen, Gewittern und teilweise Unwettern abgelöst, so dass
die Ernte meist später als in den vergangenen Jahren startete und witterungsbedingt immer
wieder unterbrochen werden muss.
Durch die ungünstigen Witterungsverhältnisse wird es bei
der diesjährigen Ernte zu erheblichen quantitativen und qualitativen Einbußen kommen.
Wegen der ausgeprägten Ernteverzögerung stand bis zuletzt noch ein beachtlicher Teil des
Getreides auf den Feldern. Daher ist die diesjährige Hochrechnung noch mit einer größeren
Unsicherheit behaftet.
Nach den bisher ausgewerteten Ertragsmessungen im Rahmen der
"Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung" in Verbindung mit den Ertragsschätzungen der
amtlichen Berichterstatter wird in Bayern beim Getreide (ohne Körnermais) mit einem Durch-
schnittsertrag von 60,2 Dezitonnen je Hektar gerechnet. Dies sind knapp fünf Prozent
weniger als im Vorjahr (63,3 Dezitonnen je Hektar) und gut vier Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre
2004 bis 2009 (62,8 Dezitonnen je Hektar).
Durch die Ertragseinbußen und die Verringerung der Anbaufläche
um fast fünf Prozent kann in diesem Jahr nur mit einer unterdurchschnittlichen Getreideernte
(ohne Körnermais) von rund 6,4 Millionen Tonnen gerechnet werden. Dies sind knapp zehn Prozent
weniger als im Vorjahr (7,1 Millionen Tonnen) und gut sieben Prozent weniger als im Durchschnitt
der vergangenen sechs Jahre (6,9 Millionen Tonnen).
24.08.10
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