Pfleiderer
Keine Übernahme

Die Pfleiderer-Firmenzentrale in Neumarkt.
Foto: Pfleiderer AG
NEUMARKT. Die einer "feindlichen Übernahme" verdächtigte
One Equity Partners hat 15,02 Prozent von Pfleiderer gekauft.
Mit dem Einstieg trage
One Equity Partners (EOP) zur Stärkung der Unabhängigkeit des
Unternehmens bei und erhöhe die Stabilität im Gesellschafterkreis, heißt es von der Investmentgesellschaft. Sie informierte am Dienstag den Pfleiderer-Vorstand von dem Kauf.
Pfleiderer bestätigte am Dienstag-Mittag in einer "Ad hoc-Meldung" den Erwerb des Aktienpakets und wies besonders darauf hin, daß
One Equity Partners nicht beabsichtige, ein "freiwilliges Übernahmeangebot zu machen". Das bestätigte auch OEP.
Der Investor stand nach einem Bericht der
Süddeutschen Zeitung in Verdacht, eine "feindliche Übernahme " des Neumarkter Konzerns zu beabsichtigen (
wir berichteten).
Mit dem
Abschluss dieser Transaktion werde OEP somit großer Kernaktionär des
im M-Dax notierten "führenden Systemanbieters für Holzwerkstoffe,
Oberflächenveredelung und Laminatfußböden", heißt es in der Mitteilung von
One Equity Partners.
One Equity Partners (OEP)
ist eine internationale Private Equity
Partnerschaft, die sich bei ihren Transaktionen auf die Chancen
industrieller Konsolidierungen fokussiert und mit Konzernen als auch
mittelständischen Unternehmen langfristige Partnerschaften eingeht,
um nachhaltige Wertsteigerung zu erzielen.
OEP
wurde 2001 gegründet und verwaltet exklusiv für JPMorgan Chase&Co
ein Fondsvermögen von rund 5 Milliarden Euro. In Deutschland hat OEP in den
vergangenen Jahren zahlreiche Unternehmen erfolgreich begleitet und
ist derzeit u.a. Mehrheitsaktionär der Süd-Chemie AG in München und
der Vacuumschmelze Hanau.
OEP ziele mit dem Einstieg auf eine "langfristige strategische
Beteiligung und will den erfolgreichen Wachstumskurs des
Unternehmens, das ein hohes Investitionsprogramm vor sich hat, als
Kerninvestor begleiten".
Christopher von Hugo, geschäftsführender Partner von
One Equity
Partners in Frankfurt, sagte: "Pfleiderer ist ein hervorragendes
Unternehmen mit attraktiven Aussichten. Das Unternehmen ist in einer
Investitionsphase und war auf der Suche nach einem weiteren
Kerninvestor. In diesem Szenario können wir als langfristig
orientierter Partner Pfleiderer optimal unterstützen. Dabei freuen
wir uns auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Vorstand, dem
Aufsichtsrat und den anderen Aktionären."
OEP unterstützt ausdrücklich die bestehende Strategie des
Vorstands und wird bei Bedarf zusätzliches Kapital für den
Investitions- und Wachstumskurs der Pfleiderer AG bereitstellen, heißt es in der Pressemitteilung weiter.
22.01.08
Doch "feindliche Übernahme"?

Die Pfleiderer-Zentrale in Neumarkt - ist doch eine feindliche Übernahme geplant ?
Fotos: Pfleiderer AG
NEUMARKT. Ein US-Investor soll bereits an einer feindlichen Übernahme von Pfleiderer arbeiten, heißt es in der "Süddeutschen".
Diese Meldung für die Freitagsausgabe der "Süddeutschen Zeitung" wurde aber von dem genannten amerikanischen Unternehmen am Donnerstagabend dementiert. Die Zeitung hatte gemeldet, daß
One Equity Partners bereits damit begonnen habe, Pfleiderer-Aktien aufzukaufen.

Derrick Noe
Ein Feuerwerk der Emotionen brachten die letzten Tage für Arbeiter und Aktionäre des Neumarkter Pfleiderer-Konzerns: Am Montag wurde überraschend Finanzchef Derrick Noe gefeuert (
wir berichteten), am Dienstag wurde bestätigt, daß Noe ohne das Wissen des restlichen Vorstands und des Aufsichtsrats mit Finanzinvestoren Gespräche geführt hat und deshalb gehen mußte (
wir berichteten).
Am Mittwoch meldete
neumarktonline, daß ein Investor eine Übernahme des Neumarkter Konzerns erwogen habe - und daß Aufsichtsrats-Chef Ernst-Herbert Pfleider sogar eine "feindliche Übernahme befürchtet (
wir berichteten).

Hans Overdiek
Am Donnerstag gab es vorerst einmal "Entwarnung", als Vorstandsvorsitzender Hans Overdieck in einer Pressekonferenz am späten Vormittag versicherte, Pfleiderer wolle weiterhin unabhängig bleiben (
wir berichteten). Finanzinvestoren seien zwar willkommen, allerdings sei man bei einer "Übernahme" skeptisch. Gegen eine "feindliche Übernahme" werde man sich in jedem Fall wehren. Overdieck kündigte sogar an, in einem solchen Fall seinen Posten zur Verfügung zu stellen.
In einer Vorabmeldung in ihrer Online-Ausgabe meldete dann am Donnerstagabend die
Süddeutsche Zeitung, daß durch den US-Finanzinvestor
One Equity Partners sehr wohl eine "feindliche Übernahme" drohe.
Turm-Opfer ?
NEUMARKT. War die Entlassung von Finanz-Chef Derrick Noe nur ein "Turm-Opfer" ?
Wie die
Financial Times Deutschland in einem Portrait des Vorstandsvorsitzenden Hans Overdiek schreibt, war neben Finanz-Vorstand Noe auch der Vorstandsvorsitzende seit Dezember an den Gesprächen mit
One Equity Partners beteiligt, von denen jetzt nach einem Bericht der
Süddeutschen Zeitung eine "feindliche Übernahme" droht.
Diese Gespräche hätten Aufsichtsrats-Chef Ernst-Herbert Pfleiderer verärgert, dessen Familie über zehn Prozent der Aktien hält.
"Als es herauskommt, feuert der Aufsichtsrat Noe. Hans Overdiek, der Unantastbare, darf bleiben", schreibt die
Financial Times Deutschland.
Link zum Thema: Financial Times Deutschland
One Equity Partners seien es auch gewesen, mit denen Pfleiderer-Vorstand Derrick Noe Gespräche geführt habe. Der Süddeutschen Zeitung zufolge soll Noe die Amerikaner "auch großzügig mit Daten und Informationen aus dem Pfleiderer-Konzern versorgt haben".
Das Blatt will Informationen "aus Finanzkreisen" haben, nach denen die Amerikaner "bereits an einer Mehrheitsübernahme arbeiten". Die Amerikaner hätten bereits damit begonnen, auf dem freien Markt in unbekanntem Umfang Pfleiderer-Aktien aufzukaufen.
Am Donnerstagabend kam das Dementi von "One Equity Partners": "Wir schließen feindliche Übernahmen grundsätzlich aus" sagte ein Unternehmens-Sprecher der Agentur
Dow Jones Newswires. Ob und in welchem Umfang das Unternehmen Pfleider-Aktien gekauft habe, wollte er aber nicht sagen. Dazu gebe das Unternehmen grundsätzlich keine Auskünfte, hieß es.
Link zum Thema: Süddeutsche Zeitung 17.01.08
"Unabhängig bleiben"

Foto:Pfleiderer
NEUMARKT. Pfleiderer werde sich gegen eine feindliche Übernahme wehren, sagte Unternehmens-Chef Overdiek am Donnerstag. Einer Komplettübernahme stehe man kritisch gegenüber. "Finanzstarke Anteilseigner" seien aber willkommen, hieß es bei einem Pressegespräch.
Wie ausführlich berichtet hatte das Neumarkter Unternehmen am Mittwoch bestätigt, daß es Gespräche mit Investoren gegeben habe und einer dieser Investoren sogar eine "Übernahme" des Konzern erwäge. Bei einer internationalen Telefonkonferenz in englischer Sprache wiederholte dies Vorstandsvorsitzender Hans Overdiek am Donnerstag noch einmal. Die überraschende Trennung von Finanzvorstand Derrick Noe (
wir berichteten) stehe damit in Zusammenhang. Es habe "unüberbrückbare Differenzen" gegeben.
Neueste Entwicklung
NEUMARKT. Am Donnerstagabend meldete die "Süddeutsche Zeitung", daß der US-Investor
One Equity Partners möglicherweise eine "feindliche Übernahme" des Pfleiderer-Konzerns vorbereite.
Die Amerikaner hätten bereits in unbekanntem Umfang damit begonnen, auf dem freien Markt Pfleiderer-Aktien aufzukaufen:
One Equity Partners dementierte noch am Donnerstagabend Pläne einer feindlichen Übernahme. (
Bericht hier)
Overdiek stehe dem Einstieg weiterer Finanzinvestoren positiv gegenüber, sagte er. Der Vorstand der Pfleiderer AG würde einen neuen Kern-Aktionär neben der Pfleiderer-Familie begrüßen, wenn dieser die bisherige Unternehmensstrategie unterstütze.
Eine "Komplettübernahme" sehe er allerdings "kritisch", sagte Overdiek. Man ziehe die Unabhängigkeit von Pfleiderer vor - zumal auch die Familie Pfleider signalisiert habe, daß sie ihren Anteil am Unternehmen (gut zehn Prozent) nicht verkaufen wolle.
Bei einer "feindlichen Übernahme" kündigte Overdiek sogar seinen Rücktritt als Unternehmens-Chef an. Das Management werde sich aber gegen einen solchen Versuch zuvor energisch zur Wehr setzten.
Die Spekulationen um eine Pfleiderer-Übernahme sorgte an der Börse für einen Höhenflug der Pfleiderer-Aktie. Unmittelbar nach der Telefonkonferenz rutschte sie allerdings gegen den Trend um 6,75 Prozent auf 12,84 Euro ab. Das Tageshoch lag bei 14,75 Euro. Die Aussagen Overdieks hätten die "Übernahmefantasie gedämpft", wird ein Händler zitiert.
In der Pressekonferenz bestätigte Overdiek die Unternehmensziele für 2008. Danach strebt das Unternehmen einen Umsatz von über zwei Milliarden Euro und eine EBITDA-Marge von mindestens 15 Prozent an. Daran habe sich nichts geändert.
17.01.08
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